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Wunderbar in das Walmdach eingebundene Giebel der beiden Erker auf der Mittelachse der Längsseiten.

Herrschaftliche Häuser erinnern an alte Zeiten. Gleichzeitig spiegeln sie den Baustil ihrer Entstehungszeit wider. Häufig stehen die alten Gemäuer unter Denkmalschutz. Ihre Erhaltung und Unterhaltung ist meist sehr aufwändig und kostspielig. Davon weiß auch Dietrich Freiherr von Hake zu berichten. Seiner Familie gehört das im niedersächsischen Emmerthal gelegene Rittergut Ohr. Das mittlerweile 145 Jahre alte Herrenhaus musste jetzt von Kopf bis Fuß saniert werden.

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Seit 1307 befindet sich das aus fünf Gebäuden bestehende Rittergut Ohr im Besitz der Herren von Hake. Jedoch ist von den Anfängen recht wenig überliefert. Außer dass in den Jahren 1847 bis 1851 das Herrenhaus von dem Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves neu erbaut wurde. Lange konnten sich die Herren von Hake allerdings nicht am neuen Gut erfreuen, da es bereits 1871 niederbrannte. 1872 entstand das bis heute bestehende klassizistische Herrenhaus nach einem Entwurf des Hannoveraner Architekten Peters. Als Besonderheit des zweigeschossigen, verputzten Massivbaus mit Walmdach gelten dessen aufwändige Terrassenanlagen. Größere Bekanntheit erlangte das Gut ist vor allem wegen des 45 Hektar großen Ohrbergparkes, der in Sichtweite des Rittergutes auf dem Ohrberg liegt.

Vom Dach bis in den Keller

Um die Substanz des Herrernhauses auch für die Zukunft zu erhalten, waren umfassenden Sanierungsarbeiten notwendig. So sollten durch die Arbeiten am Dach die Schäden an der tragenden Holzkonstruktion entfernt werden. Zugleich mussten aber auch die Durchfeuchtung des Kellergeschosses und der Sockelebenen sowie die Brüche in den Fensterstürzen und Setzungsschäden der Anbauten beseitigt werden. Ohne Zweifel war die Sanierung des 750 m2 großen Walmdachs mit Rechteckschiefer-Doppeldeckung besonders aufwändig.  Sowohl die Deckart wie auch das Material sind für die Region eher ungewöhnlich. Vielleicht auch ein Grund, warum das Dach schon ziemlich lange Undichtigkeiten aufweist, wie sich Dietrich Freiherr von Hake, der auf dem Gut aufgewachsen ist, erinnert. „Wenn Regen und Wind ungünstig zusammenkamen, wurde das Dach undicht“, berichtet er. „Bei solchen Wetterlagen wurden auf dem Dachboden Wannen hin und her geschoben.“

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Arbeiten an der rückseitigen Hauptdachfläche mit Giebeldach.

Fachhandwerker gefragt

Umgesetzt wurde die Dacherneuerung von den Fachhandwerkern rund um Dachdeckermeister Stephan Stallmann von der Dieter Griese GmbH Bedachungen aus Emmerthal. Zunächst bauten die Fachhandwerker die vorhandene Deckung abschnittsweise bis auf die Sparren zurück. Um bei der späteren Neudeckung mit den 60 x 30 großen Rechteckern möglichst wenig Unebenheiten in der Fläche zu haben, wurden die Sparren ausgeglichen. Anschließend verlegten die Dachhandwerker oberhalb der Sparren eine Unterdeckbahn, die sie mit der Konterlattung fixierten. Die Unterdeckbahn diente während der Dachsanierungsarbeiten als Behelfsdeckung und schützt darüber hinaus die Dachkonstruktion dauerhaft vor Schäden durch Regen- oder Schneeeintrieb. Auf die Konterlattung folgte eine auf die Schieferdeckung abgestimmte Traglattung. Abschließend schieferten die Dachhandwerker die so vorbereitete Dachfläche mit den Rechteckern in 60x30.

Moderne Befestigungsmethode

Verlegt wurden hier die speziellen Primero-Fixx® Rechtecker. Dabei handelt es sich um vorsortierte Schiefersteine für die rationelle Befestigungsmethode Primero-Fixx® der Primero Schiefer GmbH, Wermelskirchen. Sie ist in die vom ZVDH – Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks – herausgegebenen Fachregeln für Deckungen mit Schiefer unter der Rubrik Befestigungsmittel „Drucklufttechnik“ aufgenommen und zählt damit zum anerkannten Stand der Technik. 

Basis des Primero-Fixx® Schiefers, übrigens Schiefer mit einer bauaufsichtlichen Zulassung (Z-56.278-3455) und dem dazugehörigen Prüfzeugnis, sind Steine, die der EN DIN 12326 entsprechen. Diese werden mit einem weiteren Systembaustein, dem speziellen Primero-Fixx®-Schieferdübel ausgestattet. Er ist aus dem hochwertigen Dübelwerkstoff Polyamid und wird werkseitig in die vorgelochten Steine eingefügt. Bei der späteren Befestigung der Schiefer versenkt sich der Primero-Fixx® Nagelkopf oberflächenbündig in den Dübel. Gleichzeitig sorgt er bei der maschinellen Vernagelung für eine gleichmäßige Druckverteilung auf dem Schiefer. Nach der Nagelung erfüllt der Schieferdübel die Funktion des Nagelkopfes und ermöglicht dauerhaften Halt. 

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Fixiert wurden alle Schiefersteine mit dem speziellen Primero-Fixx® Druckluftnagler.

Weitere Komponente dieses zeit- und kostensparenden Systems ist der Nagel selbst. Er ist aus V4A-Edelstahl (Werkstoff-Nr. 1.4571) gefertigt und unverkennbar mit der Kopfprägung “P” ausgestattet. Der Ringschaft dieses spezifischen Nagels erhöht die Auszugswerte deutlich und sichert somit den dauerhaften Halt des Schiefers an Dach und Fassade. Untersuchungen beim Materialprüfungsamt Dortmund zeigen, dass Schiefer, die mit zwei Primero-Fixx®-Nägeln befestigt wurden einen fast doppelt so hohen Auszugswert haben als bei traditioneller „von Handnagelung“ mit 2,8 x 35 mm Kupfernägeln.

Komplettiert wird das System mit dem Primero-Fixx® Druckluftnagler. Er ist mit einer speziell für den Einsatz des System-Schieferdübels entwickelten Schnellzentrierung ausgestattet. Ein integriertes Druckreduzierventil sorgt zudem für konstanten Arbeitsdruck. Die ausgewogene Konstruktion in Verbindung mit dem geringen Gewicht – cirka 1,220 kg im leeren Zustand – sorgt für bequemes, einfaches und rationelles Handling. 

Wirtschaftlich rentabel

Auch für DDM Stallmann hat sich der Einsatz der Primero-Fixx® Rechtecker gelohnt. „Wir hatten durch die Druckluftnagelung eine Zeitersparnis von mehr als einem Drittel für die gesamte Sanierungsmaßnahme. Ein Preisvorteil, der zum Auftrag geführt hat“, so der Dachprofi. In gut zehn Wochen konnte er mit seinem Vier-Mann-Team das komplette Dach des Herrenhauses in Emmerthal sanieren. Neben den Schieferarbeiten gehörte zu seinen Aufgaben auch der Rückbau von insgesamt fünf Schornsteinköpfen sowie die Erneuerung zahlreicher Mauerabdeckungen aus Zinkblech. Selbstredend wurden alle Dacharbeiten in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde ausgeführt. 

Handwerkliche Tradition

Natürlich hielt das alte Bauwerk auch einige Überraschungen für die Handwerker bereit. So waren Sandsteinfensterbänke gar nicht aus Sandstein und manches Betonbauteil gar nicht aus Beton. Auch für die Dachdecker gab es eine – wenn auch eher positive Überraschung: Einer der vorhandenen Schiefersteine trug einer alten Handwerkertradition folgend die eingeritzte Jahreszahl 1904. „Sie stammt wahrscheinlich aus einer früheren Reparatur des Daches“, vermutet der DDM Stallmann. Selbstverständlich haben seine Fachhandwerker die Tradition fortgesetzt und sich auf einem der neuen Schiefer-Recktecker verewigt.